26. Mai 2019

Stadt erhält drei Millionen Euro für Klimaschutz

Petra Blöß
Regierungspräsidentin bringt Bewilligungsbescheid ins Rathaus

Übergabe des Bescheids. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass die Stadt Rietberg Fördergelder von Land und Europäischer Union in Höhe von mehr als drei Millionen Euro erhält. Deshalb kam Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl jetzt persönlich aus Detmold nach Rietberg, um Bürgermeister Andreas Sunder den Zuwendungsbescheid zu überreichen.

Eine klimaneutrale Stadtverwaltung bis zum Jahr 2022 ist Rietbergs Ziel. Um dies können zu erreichen, hat die Stadt Rietberg ein dickes Maßnahmenpaket geschnürt und sich in 2017 mit einem ausführlichen Antrag gegen zahlreiche andere Kommunen durchgesetzt. „Da hat ihre Verwaltung ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet“, sprach Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl „ein dickes Kompliment“ an Bürgermeister Sunder und seine Mitarbeiter aus. Von anfangs 42 Bewerbungen auf Landesebene waren nur zwölf in die engere Wahl gekommen, so Thomann Stahl. Mit einem detaillierten Konzept konnte die Stadt Rietberg schließlich eine Jury überzeugen. „Es ist auch nicht einfach, überhaupt an EU-Mittel zu gelangen“, so Josef Wegener, Leiter des Dezernats für Wirtschaftsförderung der Bezirksregierung.

Das Paket mit sechs Maßnahmen hat ein Gesamtvolumen von rund 3,77 Millionen Euro. 30 Prozent der Kosten übernimmt das Land NRW, weitere 50 Prozent werden aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) »Investitionen in Wachstum und Beschäftigung« gedeckt. Gesamt: 3.013.468 Euro. Für die Stadt Rietberg bleibt ein Anteil von lediglich 20 Prozent – also 753.000 Euro sind aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Der Rat der Stadt Rietberg hat dem Maßnahmenbündel im Grundsatz bereits zugestimmt.

Wir wollen nicht nur punktuell etwas ändern“, so Bürgermeister Sunder im Gespräch mit der Regierungspräsidentin, „sondern wir forcieren das Thema schon seit Jahren flächendeckend.“ Als eine von bundesweit 41 Masterplan-Kommunen »100% Klimaschutz« hat die Stadt Rietberg schon allerhand Maßnahmen umgesetzt, zusammengefasst im Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzept. Im Rahmen seiner Klimaschutzbemühungen hatte der Stadtrat darin schon früh das Ziel einer bilanziell »energieautonomen und nachhaltigen Stadt Rietberg im Jahr 2030« formuliert. Quasi als Zwischenziel ist die klimaneutrale Stadtverwaltung bis 2022 definiert.

Das ist in der Tat eine große Aufgabe“, so Sunder weiter. „Umso erfreulicher, dass wir für die Erreichung dieses Ziels finanzielle Unterstützung erhalten. Denn nur, wenn wir im Kleinen etwas unternehmen, können wir global etwas bewegen.“ – „Und da sind sie in Rietberg schon auf einem guten Weg“, sagte Marianne Thomann-Stahl.

Geplant ist in Rietberg eine klimaneutrale Wärmeversorgung mit einer innovativen Heizzentrale, die in der Nähe des Schulzentrums entstehen soll. Die Wärmeerzeugung soll zukünftig aus einer Kombination von Holzhackschnitzelkessel, Brennstoffzelle und einer Power-to-Heat-Anlage erfolgen. Zur Spitzenlastabdeckung wird ein Brennwertkessel installiert. Eingebunden in das Gesamtsystem wird die bestehende Heizzentrale mit einem Biomethan-Blockheizkraftwerk und den bestehenden Gaskesseln. Zudem soll ein weiteres Blockheizkraftwerk für die Grundlasterzeugung eingebunden werden.

Zur Auskopplung der Wärme soll ein fast 1,5 Kilometer langes Nahwärmenetz gebaut werden, das die Wärme in die historische Altstadt von Rietberg leitet, um so die städtischen Gebäude mit klimaschonender Wärme zu versorgen. An das Nahwärmenetz sollen das Schulzentrum, die Cultura, mehrere Verwaltungsgebäude der Stadtverwaltung wie das Historische Rathaus und das Freibad angebunden werden.

Zur Steuerung und transparenten Darstellung und Auswertung der Betriebsweise des »regenerativen Modellprojekts« soll ein Steuerungs- und Monitoringsystem eingerichtet werden. Ziel ist es, den Energieeinsatz und das Verbrauchsverhalten tageweise erfassen und auswerten zu können.

Vierte Maßnahme: Das Sparkassen-Rundtheater Cultura soll im Zuge des Gesamtprojekts saniert und in Bezug auf Klimafolgenanpassung optimiert werden. Allein dafür sind rund 1 Millionen Euro nötig.

Im Austausch gegen vorhandene Diesel-/Benzin-Fahrzeuge sollen fünf Elektrofahrzeuge und die dazu passenden Ladesäulen angeschafft werden. Besonders die Fahrzeuge des Bauhofes sind ständig im öffentlichen Raum sichtbar – somit wird Elektromobilität auch für die Bürger direkt erfahrbar.

Zur Umsetzung all dieser Maßnahmen ist eine entsprechende Personalunterstützung nötig und es wird eine weitere Stelle geschaffen, die für drei Jahre ebenfalls aus dem Fördertopf mitfinanziert wird. „Trotzdem ist dies ein sportliches Programm“, sagt Matthias Setter, Fachbereichsleiter Bauen. Denn die baulichen Maßnahmen müssen bis 2022 abgeschlossen sein. So sieht es der Zuwendungsbescheid vor, den die Regierungspräsidentin jetzt überreichte.

Mit dem eingereichten Maßnahmenbündel können die Treibhausgas-Emissionen im direkten Verantwortungsbereich der Stadtverwaltung Rietberg (eigene Gebäude und Straßenbeleuchtung) um weitere 503 Tonnen pro Jahr gesenkt werden.

Neueste Artikel

X