21. Mai 2019

"Stolpersteine" werden vom Künstler selbst verlegt

Petra Blöß
Gunter Demnig ist am 22. Mai in der historischen Innenstadt aktiv

Foto: Stadt Rietberg

Rietberg-Neuenkirchen (Stadt Rietberg). Sein Name wird stets in einem Atemzug mit der Aktion genannt, die er erfunden hat: Gunter Demnig. Der Künstler ist bekannt für seine Stolpersteine, die er in Deutschland und in vielen anderen Ländern verlegt. Die kleinen, in den Boden eingelassenen Gedenktafeln erinnern an die vielen Menschen, die im Nationalsozialismus vertrieben, ermordet, deportiert oder in den Selbstmord getrieben worden sind. Am Mittwoch, 22. Mai, ist Demnig erneut in Rietberg zu Gast.

Die erste Stolpersteinverlegung erfolgte am 8. Juni 2017 in Neuenkirchen. Dieses Mal ist der Künstler in Rietbergs Innenstadt aktiv. Am frühen Nachmittag des 22. Mai werden die Gedenksteine vor der letzten in Rietberg frei gewählten Wohnstätte betroffener Familien verlegt. Die Gedenkveranstaltung widmet sich in diesem Jahr der in Rietberg ansässigen Zweige der ehemals Neuenkirchener Familie Löwenstein. Die Veranstaltung beginnt um 13.30 Uhr vor einer bereits installierten Gedenktafel an der ehemaligen Hausstelle Müntestraße 8 (heute Garten des Hauses Tenge). Die Hausstelle war der damalige Wohnsitz der Familie Julius Löwenstein. Fortgesetzt wird das Gedenken an der Rathausstraße 29, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Friedrich Wilhelm David Löwenstein. Gegen 14.45 Uhr endet die Verlegung am Haus Rathausstraße 30, wo bis 1908 Mitglieder der Kaufmannsfamilie Michael Löwenstein gewohnt haben.

Bürgermeister Andreas Sunder hält an der ersten Station der Verlegung eine einführende Gedenkrede. Schülerinnen und Schüler eines Projektkurses der Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule werden an den verschiedenen Stationen jeweils an die Opfer und an ihre Schicksale erinnern. Der Weg zwischen den Orten der Verlegung wird gemeinsam zu Fuß zurückgelegt. Auswärtigen Teilnehmern wird empfohlen, zum Parken den Parkplatz am Schulzentrum / Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) am Torfweg zu benutzen. Während der Veranstaltung werden die Müntestraße und die Rathausstraße (auf dem Abschnitt zwischen der Mühlenstraße und der Sennstraße) kurzzeitig für den motorisierten Verkehr gesperrt sein.

Für insgesamt zehn Mitglieder der Familie Löwenstein erfolgt dieses Mal eine Stolpersteinverlegung. Hinzu kommt ein Sonderstein an der ehemaligen Hausstelle Müntestraße 8, denn allein dort waren sieben Opfer zu beklagen. Die Opfer der Familie Julius Löwenstein von der Müntestraße waren bereits weitgehend bekannt. Unter anderem deshalb, weil dort am 10. November 2000 eine Gedenktafel angebracht worden ist. Im Rahmen der Stolpersteinverlegung wird auch drei Opfern aus einer weiteren Linie der Familie Löwenstein gedacht, die an der Rathausstraße (damals noch Lange Straße) gelebt haben. In das allgemeine Bewusstsein der Öffentlichkeit in Rietberg waren sie bisher nicht gelangt. Denn sie sind zwar in Rietberg geboren worden und dort aufgewachsen, haben die Stadt aber sehr früh, schon um die Jahrhundertwende, wieder verlassen. So wurden Hedwig und Selmar Löwenstein von Berlin aus deportiert. Adolf Löwenstein trat von Witten aus die Flucht nach Brasilien an.

Die Beteiligung der Stadt Rietberg an der dezentralen Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus des Künstlers Gunter Demnig wird in den kommenden Jahren weiter fortgesetzt werden. Auch in Zukunft verlegt der Künstler in regelmäßigen Abständen Stolpersteine für Familien aus Rietberg, Neuenkirchen und anderen Stadteilen. Am 23. Juni 2016 hatte der Schul- und Sozialausschuss der Stadt Rietberg einstimmig beschlossen, dass die Stadt Rietberg an dem Projekt „Stolpersteine“ mitwirkt.

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