28. Februar 2019

Jeck, bunt, wunderschön - Altweiberumzug in historischen Gassen

Petra Blöß
Rietbergs holde Närrinnen sind von der Sonne geküsst

Jeck und bunt - Altweiber in Rietberg. Fotos: Petra Blöß

Rietberg (pkb). Von der Sonne geküsst und den Temperaturen verwöhnt! Was für ein Altweiberumzug unter den historischen GIebeln. Pünktlich machten sich die holden Närrinnen gestern um 15.11 Uhr auf den Weg in die engen Gassen, auf denen wahre Menschenmengen auf sie warteten. Nicht wirklich zu schätzen: Die Besucherzahl entlang der gesamten Marschroute. Sicher ist nur, sie bildeten ein Vielfaches der Teilnehmerschar im bunten, närrischen Lindwurm. Gut 1.700 Frauen machten diesen Donnerstag zu dem ihren und die Nacht zum Freitag gleich mit. Dichtes Gedränge in den Straßen, ebensolches in den riesigen Zelten. Die jecke Hochburg Ostwestfalens machte ihrem Namen alle Ehre.

Einer der ersten, der sich der geballten Weiblichkeit ergab, war das Stadtoberhaupt. Bürgermeister Andreas Sunder ließ angesichts der stürmischen Damen der Grafschaftler Karnevalsgesellschaft flugs die weiße Fahne am altehrwürdigen Rathaus hissen und entging damit, anderes als so einige seiner Geschlechtsgenossen der Fahrt im geschlossenen Narrenkäfig. Altweiberpräsidentin Birgit Boldt hatte ihm auch nicht wirklich eine Wahl gelassen. In ihrer markigen Rede auf dem sonnenüberfluteten Ehrenpodest vor dem Rathaus zog sie der Männerwelt im Versmaß gehörig die Löffel lang. "Oh mir tun die Augen weh, wenn ich die vielen Kerle hier seh. Heute ist Weiberfastnacht und unsere Sause, habt ihr nach der Herrensitzung schon wieder Pause? Ob die Presse berichtet oder auch nicht, selbst ne Herrensitzung ohne Frauen, die schafft ihr nicht."

Auch in Sachen Rat und Verwaltung ging es in Reimform rund: "Die große und kleine Politik, so langsam haben wir die Faxen dick. Warum sollten wir denn wählen, wenn alleine Fakten zählen? Das Parteibuch, das regiert, der Menschenverstand nicht mehr interessiert". Und im Detail: "Caritas, Vita und jetzt auch Tenge bauen Seniorenkasernen, jede Menge. Doch wer denkt an die jungen Leute, die hier leben wollen, jetzt und heute." Was die Chefin der organisierten Närrinnenschar am Schluss ihrer Schmährede versprach, das setzten die Zugteilnehmerinnen wahrlich um: "Wir zeigen im Umzug unsere ganze Pracht."

Nach dem Weiberumzug ist in Rietberg vor den nächsten Umzügen. Am Sonntag geht es ab 15 Uhr weiter mit dem Rathaussturm der Narrenschar samt Runde druch die altstadt. Und "Sturm" war gestern mit Blick auf Rosenmontag auch schon ein Thema. Eine solchen kündigen die Meteorologen für den Höhepunkt der Session an, doch in Rietberg ist man bekanntlich "sturmerpobt" bis hin zur Orkanstärke. Wer also die Jecken bei ihrem Marsch durch die Altstadt sehen will, der Nachwuchs geht ab 10.11 Uhr im Kinderzug, die Großen mit ebensolchen Wagen ab 14.11 Uhr.

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